Der zerstreute Professor
Der zerstreute Professor „Geliebte, holde Gattin, wo hab' ich nur das Blatt hin, auf das ich jüngst geschrieben? Wo ist es nur geblieben?“ „Was schriebest du auf dieses, bevor es dich verließes?“, so fragte Margarete, die nun auch suchend spähte. „Es war, ich glaub' zu wissen, was ich mir merken müssen.“ „Dann ist es wohl sehr wichtig und keinesfalls nur nichtig.“ So hub nun an ein Suchen, hinzu verhalt'nes Fluchen, weil dieses Pergamente nicht kam in ihre Hände. Man suchte in den Schränken, tat Blicke auch hinlenken zu Stoffen, die in Jahren nun längst vergessen waren. „Es ist schier zum Verzagen, dass mir an allen Tagen was Wichtiges entschwindet, sich alsodann nicht findet.“ Der Herr Professor greinet und seine Gattin weinet. Das Leid kann der verstehen, dem Ähnliches geschehen. Sie gingen spät zu Bette; wenn man's gefunden hätte, wär' ein geruhsam Schlafen im kuschelweichen Hafen. Zum Schluss von dem Gedichte ich kurzum noch berichte, dass auf dem Blatt zu lesen: 'Den Zettel nicht vergessen!'
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