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Der Kuckuck

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May 21, 2026
4:02

Ich hörte den Kuckuck schlagen am Morgen im lieblichen Wald, und mußte ihn fragen, ja fragen: Sag, bringst du die Liebste mir bald? Da klangs aus den rauschenden Bäumen mir „Kuckuck, Kuckuck“ zurück, einmal, zweimal, dreimal, als bebten die Blättlein vor Glück. Ich glaubte, er meine drei Tage, und schmückte mit Blumen das Haus, und horchte bald hoffend, bald zage ins duftende Lenzland hinaus. Die Sonne erhob sich mit Strahlen, und neigte sich wieder zur Nacht, einmal, zweimal, dreimal – doch hat sie kein Glück mir gebracht. Da glaubt’ ich, er meine drei Jahre, und harrte in Lieb’ und in Treu’, und füllte am Frühlingsaltare alljährlich die Schalen aufs neu. Es grünten die Bäume und welkten, und knospeten wieder im Mai’n, einmal, zweimal, dreimal, und immer noch war ich allein. Nun sind drei Jahrzehnte vergangen, nun blüht mir der Frühling im Schnee; nun sind mir verblichen die Wangen vor Bangen und wartendem Weh. Ich lausche vom einsamen Hügel – da klingts, wie aus goldenem Tor, einmal, zweimal, dreimal, als singe ein Engelchor. Und unter den Stimmen ist eine, die ist mir so innig bekannt: und kommst du, du Süße, du Reine, im schimmernden Äthergewand? Sie lächelt, sie breitet die Arme, und küßt mich so hold und so lieb, einmal, zweimal, dreimal – o Jubel, o himmlische Lieb’! Worte: Heinrich Anacker A / E / E / H7 / E / A / E / E / H7 / E / A / H7 / E / A / H7 / E / A / E / A / E / H7 / E / E / H7 / E / Heinrich Anacker war laut Wikipedia "ein erfolgreicher schweizerisch-deutscher Schriftsteller, der für den Nationalsozialismus wirkte". Nach 1945 wurde er als "minderbelastet" eingestuft. Er hatte neben romantischen Gedichten unter anderem auch schwülstige Personenkult-Gedichte im Zeitgeist des NS geschrieben, so, wie Bert Brecht (für Stalin) im anderen politischen Lager. Zwar ist Anacker damit wie Brecht als politisch handelnde Person kritisch zu betrachten, aber Brechts Gesamtwerk insbesondere hinsichtlich der unpolitischen oder gesellschaftskritischen Werke kann rezipiert werden und wird es auch. Die unpolitischen Werke Heinrich Anackers zu verarbeiten bedeutet im Umkehrschluß nicht zwangsläufig, daß auch seine im Zeitgeist verfaßten Gedichte oder seine politischen Verstrickungen gutgeheißen werden. https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Anacker Auch bei in totalitären Systemen entstandenen „unpolitischen Gemütsliedern“, die sich auf Jahreszeitfeste, Naturereignisse o. ä. beziehen, sei darauf hinzuweisen, daß diese zur Verfestigung und Ausgestaltung totalitärer Zustände beigetragen haben können, zumal wenn sie von Protagonisten dieser Systeme mit entsprechender Intention verfaßt wurden. Von einer beliebig konnotierbaren Wirkmächtigkeit ist aber kein kultureller Akt ausgeschlossen. Auf diesem Kanal aufbereitete historische Lieder und Gedichte können als Dokumente eines vergangenen gesellschaftlichen Kontextes dienen oder auch einen Zuhörer mit zeitlosen und epochenübergreifenden Gemütslagen erfüllen, keinesfalls aber sollen sie totalitäre Zustände verklären.

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