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Dachau-Lied

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Feb 2, 2026
4:23

Stacheldraht, mit Tod geladen, ist um uns're Welt gespannt. D'rauf ein Himmel ohne Gnaden sendet Frost und Sonnenbrand. Fern von uns sind alle Freuden, fern die Heimat, fern die Frau'n, wenn wir stumm zur Arbeit schreiten, Tausende im Morgengrau'n. Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt und wurden stahlhart dabei. Sei ein Mann, Kamerad. Bleib ein Mann, Kamerad. Mach ganze Arbeit, pack an Kamerad: Denn Arbeit, Arbeit macht frei. Vor der Mündung der Gewehre leben wir bei Tag und Nacht. Leben wird uns hier zur Lehre, schwerer als wir's je gedacht. Keiner mehr zählt Tag' und Wochen, mancher schon die Jahre nicht. Und so viele sind zerbrochen und verloren ihr Gesicht. Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt ... Heb den Stein und zieh den Wagen, keine Last sei dir zu schwer. Der du warst in fernen Tagen, bist du heut' schon längst nicht mehr. Stich den Spaten in die Erde, grab dein Mitleid tief hinein, und im eig'nen Schweiße werde selber du zu Stahl und Stein. Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt ... Einst wird die Sirene künden: Auf zum letzten Zählappell. Draußen dann, wo wir uns finden bist du, Kamerad zur Stell'. Hell wird uns die Freiheit lachen, vorwärts geht's mit frischem Mut. Und die Arbeit, die wir machen, diese Arbeit, sie wird gut. Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt ... Worte: Jura Soyfer Weise: Herbert Zipper d / F / d / A / d / F / A / F / E / F / g / A / g / A / d / F / d / A / d / D / c / D / D / G. / A. / D / D / G. / D / D / G. / D / D / e / A / D / e. / A. / D / Auf Anordnung des Leiters der Politischen Polizei in Bayern und Polizeipräsidenten von München, Heinrich Himmler, wurde im März 1933 ein Konzentrationslager für anfangs 5.000 männliche Häftlinge in der Nähe von Dachau bei München errichtet. Es sollte als Vorbildlager für alle anderen Konzentrationslager dienen. Im Jahr 1938 entstand das Dachaulied als Marsch- und Durchhaltelied durch die Häftlinge Jura Soyfer und Herbert Zipper. Wikipedia: „Soyfer war drei Monate, vom 23. Juni bis 23. September, im Dachauer Lager inhaftiert. Er leistete mit Zipper gemeinsam Zwangsarbeit und nahm die Verhöhnung der Häftlinge durch den KZ-Torspruch ,Arbeit macht frei' zum Anlaß, einen Liedtext zu schreiben, der den Spruch im Refrain aufnahm. Er ließ Zipper den Text auswendig lernen, um dem Risiko einer Entdeckung und damit verbundener Strafmaßnahmen zu entgehen. Zipper komponierte dazu im Kopf eine Melodie, die er zwei Gitarristen und einem Geiger unter den Mithäftlingen beibrachte.“ Dieser Aspekt verwundert, so schrieb der ehemalige Buchenwald-Häftling Stefan Heymann 1945 über die Entstehung des Buchenwaldliedes: „Ende 1938 erklärte der damalige Lagerführer Rödl: 'Alle andern Lager haben ein Lied, wir müssen auch ein Buchenwald-Lied bekommen. Wer eins macht, bekommt 10 RM'.“ Allerdings entstand in Dachau wohl auch erst 1941 eine offizielle Häftlings-Musikgruppe. Jedenfalls wurden die Inhaftierten des Lagers Dachau Ende April 1945 durch Soldaten der 7. US-Armee befreit - welche Häftlinge verschiedenster Herkunft vorfanden, die in den Wirren der letzten Kriegswochen durch Verlegungsmärsche geschwächt und stark ausgehungert waren. Die Krematorien konnten die Leichenberge gar nicht mehr fassen, die Toten wurden verscharrt. Die Häftlinge mußten zudem noch wochenlang in dem Lager ausharren, da diesem wegen einer Fleckfieberepidemie Quarantäne auferlegt wurde. Ab Sommer 1945 bis 1948 diente das Lager dann der Inhaftierung von NSDAP-Funktionären und SS-Angehörigen - von 1947 bis 1950 bewohnte der US-Lieutenant Benjamin Weisberg mit seiner Familie sogar die Villa des ehemaligen KZ-Kommandanten. Im Winter 1947/48 brachte der CSU-Landtagsabgeordnete Hans Hagn einen Antrag in den bayerischen Landtag ein, auf dem Gelände des KZ ein Arbeitslager als „Stätte der Umerziehung von asozialen Elementen“ zu errichten. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, selbst der Bayerische Gewerkschaftsbund forderte zeitgleich die Einweisung „aller asozialen Elemente in ein Arbeitslager“. Die Umsetzung scheiterte, da bei einer erneuten Abstimmung im April 1948 für eine Nachnutzung des Konzentrationslagers als Flüchtlingslager votiert wurde. Tatsächlich diente das Lagergelände als „Wohnsiedlung Dachau-Ost“ bis in die 1960er Jahre als Wohnstätte für Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten. Seitdem ist es eine Gedenkstätte, die uns mahnt, zu welchem Leid die totalitäre und willkürliche Verfolgung tatsächlicher oder vermeintlicher Andersdenkender führen kann. Ich distanziere mich von den politischen, sexuellen und kulinarischen Vorlieben aller Internierer und Internierten - das Lied ist ein bewahrungswürdiges Zeitdokument der Musikgeschichte. Die in verhöhnenden oder NS-Kontexten in der BRD strafrechtlich verbotene Parole „Arbeit macht frei“ ist in diesem Lied als Originalzitat von NS-Opfern einzustufen.

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