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Sachsenhausen-Lied

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Jan 26, 2026
3:33

Wir schreiten fest im gleichen Schritt, wir trotzen Not und Sorgen, denn in uns zieht die Hoffnung mit auf Freiheit und das Morgen. Was hinter uns, ist abgetan, gewesen und verklungen. Die Zukunft will den ganzen Mann, ihr sei unser Lied gesungen. Aus Esterwegen zogen wir leicht, es liegt verlassen im Moore, doch bald war Sachsenhausen erreicht es schlossen sich wieder die Tore. Wir schaffen hinter Stacheldraht mit Schwielen in den Händen und packen zu und werden hart, die Arbeit will nicht enden. So mancher kommt, kaum einer geht, es gehen Mond‘ und Jahre, und bis das ganze Lager steht, hat mancher graue Haare. Das Leben lockt hinter Drahtverhau, wir möchten's mit Händen greifen, dann werden unsre Kehlen rauh und die Gedanken schweifen. Wir schreiten fest im gleichen Schritt, wir trotzen Not und Sorgen, denn in uns zieht die Hoffnung mit auf Freiheit und das Morgen. Worte: Bernhard Bästlein / Karl Fischer / Karl Wloch Weise: nach einem Bauernlied C / G / G7 / C / F / C / G / G7 / C / Das KZ Sachsenhausen wurde im Sommer 1936 von Häftlingen aus den Emslandlagern errichtet. Seitens der NS-Machthaber sollte die als „idealtypisches KZ“ konzipierte Anlage das architektonische Weltbild der SS vermitteln. Zwischen 1936 und 1945 waren in diesem KZ mehr als 200.000 Menschen (davon 140.000 registriert) aus etwa 40 Nationen inhaftiert. Die Häftlinge waren zunächst politische Gefangene, dann in immer größerer Zahl Angehörige der von den NS-Machthabern als rassisch bzw. sozial minderwertig erklärten Gruppen (Juden, Homosexuelle, Zigeuner, Vagabunden, Zeugen Jehovas) und ab 1939 zunehmend Bürger der besetzten Staaten Europas. Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Mißhandlungen um, andere wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen. Nachdem im Sommer 1945 die letzten der befreiten KZ-Häftlinge das Gelände verlassen hatten, wurde das Lager ab August 1945 durch die Sowjetische Militäradministration als Speziallager (weiter)genutzt. Gegen Ende 1945 war das Lager mit 12.000 Personen wieder voll belegt. Im folgenden Jahr waren zeitweise bis zu 16.000 Menschen interniert, darunter etwa 2000 weibliche Häftlinge. Das Speziallager war von der Außenwelt fast völlig isoliert, Angehörige wurden nicht über den Verbleib und das Schicksal der Festgehaltenen informiert. Die Inhaftierten waren ehemalige NSDAP-Mitglieder, Sozialdemokraten, viele Jugendliche sowie willkürlich Denunzierte und politisch Mißliebige, von denen oppositionelle Tätigkeiten gegen die neuen Machthaber erwartet wurden - teilweise sogar ehemalige NS-Widerstandskämpfer und KZ-Insassen. Das Lager war kein Arbeitslager, die Häftlinge litten unter erzwungener Untätigkeit, ständigem Hunger, Kälte, Ungeziefer und medizinisch nicht behandelten Folgeerkrankungen. Sie starben zu Tausenden und wurden in Massengräber geworfen und verscharrt. Von den in den Jahren 1945 bis 1950 etwa 60.000 Internierten starben ungefähr 12.000. Der Text zum „Sachsenhausen-Lied“ wurde im Winter 1936 im KZ Sachsenhausen von den politischen Häftlingen Bernard Bästlein, Karl Fischer und Karl Wloch auf die Melodie des Landsknechtsliedes „Die Bauern wollten freie sein“ geschrieben, angeblich auf Anweisung des SS-Lagerführers Jakob Weiseborn. Später soll das Lied dann verboten und im Geheimen weitergesungen worden sein. https://dingenaufderspur.de schreibt: „Die SS befahl oftmals Häftlingen, bei der Arbeit oder beim Appell zu singen, sie bestimmte auch, was die Häftlinge singen duften. Einige Häftlinge trafen sich abends nach der Arbeit, um zu singen, manchmal veranstalteten sie sogar Gesangsabende in den Baracken. Das gemeinsame Singen konnte den Häftlingen helfen, ihre Stimmung zu verbessern. Es sollte den Mutlosen und Verzweifelten Freude bereiten und allen ein Gefühl von Gemeinschaft geben. Teilweise trafen sich die Häftlinge heimlich zum Singen, teilweise wußte die SS davon und ignorierte es.“ Obwohl häufig als „KZ-Lied“ bezeichnet, ist die genauere Herkunft und Nutzung im Lager nicht durchgehend dokumentiert - etwa wie häufig oder unter welchen Bedingungen das Lied gesungen wurde. Spätere Berichte darüber stammen von Erinnerungen ehemals Inhaftierter oder aus der Gedenkstättenforschung, wodurch eine einschlägige Interpretationsstruktur (z. B. „gemeinschaftliche Solidarität“, „antifaschistischer Widerstand“) geprägt wurde. Ich distanziere mich von den politischen, sexuellen und kulinarischen Vorlieben aller Internierer und Internierten - das Lied ist ein bewahrungswürdiges Zeitdokument der Musikgeschichte.

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